{"id":9303,"date":"2017-06-07T06:00:00","date_gmt":"2017-06-07T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wp-test.zum.de\/blog\/kategoriefriedrich-uhlmann-schule-sporoerdentlich-wie-aus-dem-mbook-russlanddeutsche-kulturgeschichte-ein-echtes-oer-projekt-wurde.html"},"modified":"2022-01-14T15:03:18","modified_gmt":"2022-01-14T14:03:18","slug":"kategoriefriedrich-uhlmann-schule-sporoerdentlich-wie-aus-dem-mbook-russlanddeutsche-kulturgeschichte-ein-echtes-oer-projekt-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zum-portal.idea-sketch.com\/portal\/kategoriefriedrich-uhlmann-schule-sporoerdentlich-wie-aus-dem-mbook-russlanddeutsche-kulturgeschichte-ein-echtes-oer-projekt-wurde\/","title":{"rendered":"OERdentlich: Wie aus dem mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte ein echtes OER-Projekt wurde"},"content":{"rendered":"<p>Um es vorweg zu sagen: Wir sind ein Bildungsunternehmen. Wir arbeiten auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, suchen immer wieder neue, auf den ersten Blick vielleicht auch ungew\u00f6hnlich erscheinende L\u00f6sungen f\u00fcr dr\u00e4ngende Herausforderungen im Bildungsbereich. Es geht uns im Innovationen \u2013 letztlich um \u00fcberzeugende und praktikable, im Alltag verl\u00e4ssliche Anwendungen, deren Wert Menschen anerkennen, auch finanziell. Wir verdienen unser Geld u.a. mit digitalen Schulb\u00fcchern und Museums-Apps.&nbsp;<\/p>\n<p>Daher ist es f\u00fcr uns eher ungew\u00f6hnlich, ein Produkt als waschechtes OER-Projekt im Netz zu verbreiten. Dennoch ist genau das bei unserem&nbsp;<a href=\"https:\/\/mbook.schule\/rd\/mbook\/\">mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte<\/a>&nbsp;(<a href=\"https:\/\/mbook.schule\/rd\/mbook\/\">mBook RD<\/a>) vor Kurzem geschehen. Daran ist die OER-Community nicht ganz unschuldig. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<h3>Was ist das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte?<\/h3>\n<p>Das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte ist eine Auftragsarbeit des&nbsp;<a href=\"http:\/\/institut-fuer-digitales-lernen.de\">Instituts f\u00fcr digitales Lernen<\/a>&nbsp;in Eichst\u00e4tt. Auftraggeber ist das Ministerium f\u00fcr Arbeit, Integration und Soziales (MAIS) in Nordrhein-Westfalen. Das Museum f\u00fcr russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold stand dem Projekt beratend zur Seite. Der Landesbeirat f\u00fcr Vertriebenen-, Fl\u00fcchtlings- und Sp\u00e4taussiedlerfragen des &nbsp;Landes Nordrhein-Westfalen hat das Projekt mit angesto\u00dfen und unterst\u00fctzend begleitet. Der Ansto\u00df zu einem solchen Projekt ging von den Russlanddeutschen in Nordrhein-Westfalen selbst aus. Sie haben seit langer Zeit ein berechtigtes Interesse daran, die Geschichte ihrer Gruppe zu einem akzeptierten und wahrgenommenen Bestandteil der deutschen Geschichtskultur zu machen. Und das mit guten Gr\u00fcnden. Eine gelungene Integration Russlanddeutscher in die deutsche Gesellschaft der Gegenwart ist ohne das Wissen \u00fcber die Geschichte der Russlanddeutschen mit ihren vielf\u00e4ltigen gesellschaftlichen Bez\u00fcgen und Wirkungen auf Identit\u00e4tsbildung und b\u00fcrgerschaftliches Bewusstsein nicht m\u00f6glich.&nbsp;<\/p>\n<h3>Das mBook im Geschichtsunterricht<\/h3>\n<p>Das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte ist ein html-basiertes digitales Schulbuch auf Basis des vielfach erprobten und evaluierten&nbsp;<a href=\"https:\/\/mbook.schule\/digitale-schulbuecher\">mBooks<\/a>.&nbsp;Es zeigt, wie eine gruppenspezifische Differenzierung im Geschichtsunterricht auf der Grundlage bestehender Lehrpl\u00e4ne m\u00f6glich ist, ohne das behandelte Thema dabei unangemessen zu verk\u00fcrzen oder die \u2018Stoffmenge\u2019 \u00fcber die Ma\u00dfen aufzubl\u00e4hen. Das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte arbeitet daher sehr stark exemplarisch, es integriert andere Fachkontexte, variiert Erz\u00e4hlmuster und nutzt die narrative Potenz unterschiedlicher medialer Pr\u00e4sentationsformen. Leserinnen und Leser dieses Buchs sollen sich pr\u00e4gnante Vorstellungen machen k\u00f6nnen, sie sollen die M\u00f6glichkeit haben, sich an Positionen zu reiben &nbsp;und Anregungen f\u00fcr eigenes Nachdenken \u00fcber Vergangenheit und Geschichte bekommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" class=\"image-float-right\" src=\"\/portal\/sites\/default\/files\/images\/blog\/csm_identit%C3%A4t_und_heimat_copy_0ec1f2066f.jpeg\" style=\"height:120px; width:480px\" title=\"W\u00e4hlen wir uns Identit\u00e4ten? CC BY-SA 4.0, G\u00fcnther Herrler, Institut f\u00fcr digitales Lernen\" \/>Die Geschichte der Russlanddeutschen eignet sich zudem hervorragend, um sich mit historischen Grundfragen auseinanderzusetzen und sie orientierend auf die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft zu beziehen: Gewalt-, Migrations- oder Vertreibungserfahrungen lassen sich anhand der russlanddeutschen Geschichte nahezu idealtypisch thematisieren\u2009\u2014\u2009ohne Unterrichtszeit f\u00fcr \u2018die eigentlichen Themen\u2019 zu verlieren. Und zugleich ergeben sich dabei vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten, etwa die Migrationserfahrungen anderer Gruppen einzubeziehen.&nbsp;<\/p>\n<p>Das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte l\u00e4sst sich mit den Themen und Zugriffen vieler Lehrpl\u00e4ne f\u00fcr das Fach Geschichte hervorragend verbinden\u2009\u2014\u2009etwa bei der Behandlung der Weltkriege, der Geschichte der Sowjetunion oder der Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990. Und weil es auch einen Fokus auf das deutsch-russische Verh\u00e4ltnis legt, entsteht zu vielen Themen eine Vertiefungs- und Erweiterungsebene, die wichtige Erkenntnisse \u00fcber die Hintergr\u00fcnde von Entscheidungen, etwa zum deutsch-russischen Verh\u00e4ltnis in der Zwischenkriegszeit oder zur deutschen Einheit 1990, erm\u00f6glicht.<\/p>\n<h3>Weit mehr als ein historisches Spezialthema<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" class=\"image-float-right\" src=\"\/portal\/sites\/default\/files\/images\/blog\/csm_1.3_HEADER_Mentalit%C3%A4t_und_Kultur_11ae67a672.jpeg\" style=\"height:120px; width:480px\" title=\"Bewusste Arbeit mit Stereotypen: Was ist \u201ctypisch Deutsch\u201d? CC BY-SA 4.0 G\u00fcnther Herrler, Institut f\u00fcr digitales Lernen\" \/>Themen wie Auswanderung, Dorfleben, soziale Beziehungen, Krieg und Frieden, Vertreibung und Diktaturerfahrung spielen im Unterricht immer wieder eine gro\u00dfe Rolle, l\u00e4ngst nicht nur in Geschichte. Sie k\u00f6nnen mit dem mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte in Lerngruppen, deren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unterschiedlicher Abstammung sind und vielgestaltige kulturelle Hintergr\u00fcnde und Pr\u00e4gungen haben, exemplarisch aufgegriffen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr fach\u00fcbergreifenden und f\u00e4cherverbindenden Unterricht ist das mBook russlanddeutsche Kulturgeschichte in besonderer Weise geeignet, weil es sozial-, politik- und kulturwissenschaftliches Wissen kontextualisierend einbezieht, um kulturelle Pr\u00e4gungen zu erkl\u00e4ren, die Entstehung von Klischees und Vorurteilen zu verdeutlichen, Heimatbeziehungen zu thematisieren oder gesetzliche Grundlagen unseres Landes zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<h3>Jetzt OERdentlich<\/h3>\n<p>Die Geschichte der OER-Werdung des mBooks Russlanddeutsche Kulturgeschichte begann mit einem&nbsp;Facebook-Eintrag, der f\u00fcr ein kleines Raunen in der OER-Community sorgte. Dieses mBook war n\u00e4mlich zun\u00e4chst unter CC NC-ND lizenziert. Aus Unternehmenssicht schien das der nat\u00fcrliche Schritt zu sein. Die Gedanken dahinter lassen sich leicht beschreiben: Einerseits gibt es Konkurrenten, denen wir nicht so einfach die Fr\u00fcchte unserer m\u00fchsamen Arbeit \u00fcberlassen wollten. Andererseits behandelt das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte mehrere Themenfelder, die ein hohes \u00f6ffentliches Diskussionspotential haben, weil sie \u2018hei\u00dfe\u2019 Fragen, Orte und Erinnerungen aufgreifen. Ist eine freie Lizenz nicht fast schon eine Einladung an Akteure mit eigenen Absichten, das Material f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen, es vielleicht sogar zu ver\u00e4ndern oder mit Botschaften zu versehen, die unseren Intentionen zuwiderlaufen? So kann man denken.&nbsp;<\/p>\n<p>Dass wir nun nicht mehr so denken, ist die Folge einer intensiven Auseinandersetzung mit Akteuren und Erfahrungen der OER-Bewegung. Denn diese Bewegung sorgt in der voranschreitenden Digitalisierung u.a. f\u00fcr die \u00d6ffnung thematischer Felder, die bis jetzt brach lagen, f\u00fcr das Ausprobieren neuer Zugriffe, die ganz bewusst einen explorativen Charakter haben sollen (und im OER-Bereich eben auch haben k\u00f6nnen) und nicht zuletzt f\u00fcr die Integration medialer Formate, die den Rahmen dessen, was analog bislang vorstellbar war, sprengen. OER stehen \u2013 kurz zusammengefasst \u2013 nicht nur f\u00fcr eine quantitative Ausweitung materialgest\u00fctzten Lernens, sondern auch f\u00fcr qualitative Innovationen. Und die ersten Schritte dieser Innovationen haben sehr oft einen Pioniercharakter, der mit dem Reiz des Aufbruchs in neue didaktische Welten verbunden ist.<\/p>\n<p>Genau betrachtet erf\u00fcllt das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte diese OER-Kennzeichen in exemplarischer Weise. F\u00fcr traditionelle Schulbuchverlage hingegen sind die M\u00f6glichkeiten, im Fach Geschichte gruppenspezifische Narrationen aufzugreifen, begrenzt, weil der Umfang gedruckter B\u00fccher nicht endlos erweitert werden kann und weil der potentielle Kundenkreis die Produktionskosten nicht rechtfertigt.&nbsp;<\/p>\n<h3>Mit OER auf dem Weg zu einer neuen Nutzungskultur?<\/h3>\n<p>Als OER kann das mBook Russlanddeutsche Kulturgeschichte jedoch zur Erschlie\u00dfung eines (zuk\u00fcnftigen) Gesch\u00e4ftsfelds im Bereich digitaler Schulb\u00fccher durchaus beitragen. Seine Inhalte stehen allen Nutzern zur Verf\u00fcgung. Damit entstehen einerseits flexible Nutzungsm\u00f6glichkeiten, wo sie besonders wichtig sind: in Schulen und anderen Bildungskontexten. Andererseits sind auch Schulbuchproduzenten eingeladen, die gestalterisch-medialen Ideen dieses mBooks zu pr\u00fcfen, zu ver\u00e4ndern oder anders zu kontextualisieren, um eigene Erfahrungen mit neuen Produktionsweisen und optimierten Pr\u00e4sentationsformen zu machen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stehen alle Produzenten in Konkurrenz zueinander. Die CC BY-SA-Lizenz, die wir nun f\u00fcr das mBook RD festgelegt haben, er\u00f6ffnet aber das Potential eines f\u00fcr jeden offenen Entwicklungs- und Testraums, denn sie gew\u00e4hrleistet ja, dass ein neues Produkt genauso frei wieder erscheinen muss wie das zu seiner Entwicklung aufgegriffene. Und alle Unternehmen m\u00fcssen bei der Weiterverwendung von Materialien deren Ursprung angeben.&nbsp;Eine solche transunternehmerische Nutzungskultur mit synergetischen Effekten f\u00fcr alle Beteiligten ist im Schulbuchbereich augenblicklich jedoch \u00fcberhaupt nicht entwickelt. Ob sie im OER-Sektor entstehen wird, h\u00e4ngt nicht zuletzt von der Etablierung einer Entwickler-Community im Verlagswesen ab, wie sie in anderen Wirtschaftsbereichen l\u00e4ngst gang und g\u00e4be ist.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" style=\"display:none\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https%3A%2F%2Fzum-portal.idea-sketch.com%2Fportal%2Fkategoriefriedrich-uhlmann-schule-sporoerdentlich-wie-aus-dem-mbook-russlanddeutsche-kulturgeschichte-ein-echtes-oer-projekt-wurde%2F\" data-timestamp=\"1642172598\" data-backendurl=\"https:\/\/zum-portal.idea-sketch.com\/portal\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><div class=\"ShariffHeadline\">Teilen<\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#32bbf5\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fzum-portal.idea-sketch.com%2Fportal%2Fkategoriefriedrich-uhlmann-schule-sporoerdentlich-wie-aus-dem-mbook-russlanddeutsche-kulturgeschichte-ein-echtes-oer-projekt-wurde%2F&text=OERdentlich%3A%20Wie%20aus%20dem%20mBook%20Russlanddeutsche%20Kulturgeschichte%20ein%20echtes%20OER-Projekt%20wurde\" title=\"Bei Twitter teilen\" aria-label=\"Bei Twitter teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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Nach dem Referendariat arbeitete er f\u00fcr einige Jahre als Projektmanager im Verlagswesen, bis ihn sein Weg an das Institut f\u00fcr digitales Lernen nach Eichst\u00e4tt und damit zur\u00fcck zu seinen p\u00e4dagogischen Wurzeln f\u00fchrte. - Marcus Ventzke ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Instituts f\u00fcr digitales Lernen (IdL). Er unterrichtete mehrere Jahre Geschichte und Ethik an unterschiedlichen Gymnasien und hat vielf\u00e4ltige praktische Erfahrungen als Schulbuchautor, Ausstellungsgestalter, Museumsp\u00e4dagoge und Weiterbildner. 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